Eine subtile Liebeserklärung an den neuen deutschen Stil

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Und schon wieder eine Schreibblockade überwunden … mit einer aktuellen KICKER-Kolumne zum Länderspiel gegen Frankreich.

Fußball Poesie

In meiner Kolumne schreibe ich selten über die kurzfristige Bedeutung eines Fußballspiels, vielmehr versuche ich fast immer allgemeingültige Ideen zu finden und unterhaltsame und treffende Analogien zu beschreiben.

Eher kritisch sehe ich auch, aus einem einzigen Länderspiel, je nach Ausgang, dem deutschen Fußball eine große Zukunft oder seinen baldigen Niedergang vorauszusagen. Deshalb will ich auch vorsichtig sein, nach dem langersehnten Sieg der Deutschen Nationalmannschaft im Pariser Stade de France zu behaupten, ein großer Titel bei EM oder WM sei nun nur noch eine Frage der Zeit. Und trotzdem (Achtung das ist ein schwerwiegendes „Trotzdem“), hat dieses eigentlich nicht sehr bedeutende Freundschaftsspiel, mehr noch, sogar eine einzige Aktion in diesem Spiel, die nachhaltige Entwicklung des deutschen Fußballs konzentriert auf den Punkt gebracht: Özils „No-Look-Pass“ auf Khedira war nicht einfach nur großartig, er war eine subtile Liebeserklärung an einen neuen deutschen Fußballstil – das war Fußballpoesie!

Dieses deutsche Multi-Kulti-Team spielt seit Jahren so, wie es ist: überraschend, intuitiv, kreativ. Das ist die gute Nachricht! Die schlechte? Die deutschen Fans wollen natürlich Titel gewinnen und das wurde uns bei den vergangenen Turnieren immer wieder vermasselt, wahlweise von Spaniern und Italienern.

Sollen wir also unseren neu gewonnenen „schönen Fußball“ wieder aufgeben, weil wir ein paar Mal scheiterten? Der französische Trainer Didier Deschamps sagte schon vor dem Spiel in der FAZ: „Im Finale oder Halbfinale einer WM oder EM zu verlieren – was ist denn Scheitern, wenn das schon Scheitern sein soll?“. Und auch der ewige Ruf nach einem „Anführer“, also Führungsspieler, erscheint ihm typisch deutsch und unangemessen. Recht hat er! Und es zeigt sich wiederum, dass ein Blick von außen häufig der bessere ist.

Die Fußballnationalmannschaft ist wieder angekommen in der Weltspitze – und genau wie die deutschen Bundesligaclubs in der Champions League – begeistert sie und flößt Respekt ein. Die Fußballwelt bewundert uns aber nicht mehr wegen unserer alten Tugenden sondern wegen unserer neuen Leichtigkeit.

Fangen wir an, das auch zu tun!

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