Fußballtheorie

Es soll ja mal einen Fußballer gegeben haben, der bei Vertragsverhandlungen, als ihm vom Club ein Drittel mehr Gehalt geboten wurde, gesagt haben soll:

Ich will aber ein Viertel mehr!

Witze über Fußballer und ihre begrenzten kognitiven Fähigkeiten haben ja Tradition, aber erstens sind Bundesliag-Fußballer nachweislich schlauer als der Bundesdurchschnitt und zweitens ist die Welt des Fußballs in Sachen Statistik, Taktik auch ganz schön komplex, kompliziert, wenn nicht gar komplett irre geworden …

Früher reichte es zu wissen, dass ein Team aus 11 Freunden besteht und in diesen Zeiten spielte man auch noch mit den entsprechenden Trikots. Das waren die guten alten Zeiten, als Gerd Müller noch sein Erfolgsgeheimnis für die vielen Tore mit den Worten auf den Punkt brachte:

Ich konzentriere mich auf die freien Stellen im Tor!

Eine solche philosophische Wahrheit hört man heute kaum noch, weil es vermutlich deutlich analytischer zugeht.

Die Spieler sind heute ganz anders gefordert. Ein paar Semester Stochastik, Geometrie und am besten gleich noch Linguistik können da nicht schaden. Lauschen wir doch mal den Worten eines aktuellen „Konzepttrainers“:

Leute, denkt  an unseren Matchplan. Wir spielen anders als letzte Woche keine Raute, sondern eine flache Vier. Damit neutralisieren wir ihr Vertikalspiel von der Doppel-Sechs aus. Außerdem bekommen wir so gegen ihr 4-2-3-1 die Außen besser zu, trotz der inversen Außenverteidiger!

Peter ist verletzt, also macht Tom die falsche Neun. Denkt aber dran, dass das Direktspiel mit minimalen Ballkontakzeiten erfordert, vermeidet also unnötige Dribblings, außer ihr kommt in 1:1-Situationen.

Und ich hab euch schon letzte Woche gesagt, dass 78% der von halb links nach rechts geschossenen Bälle, die eine Höhe von mindestens 1 Meter 50 haben und im aüßersten Fünftel des Tores ankommen, zum Torerfolg führen! Und umgekehrt aus Symmetriegründen natürlich genauso.

Was waren das für schöne Zeiten früher, die Chancen auf Sieg noch 70:40 standen, als Otto Rehhagel an meiner Seitenlinie stand und mir zurief:

Greif den an, der kann das nicht!

oder der Trainer Franz, wenn er nicht gerade gedankenversunken, mit Händen in den Taschen, über den Platz ging, sagte:

Geht’s raus und spielt Fußball!

Ach, war das schön, aber die Zeiten sind vorbei! Heute heißt es büffeln, pauken, lernen, damit man überhaupt eine Chance hat. Wie bei den Schachspielern – ohne Theorie geht’s einfach nicht mehr!

Immerhin habe ich eine Seite entdeckt, auf der ich nun einen Online-Kurs absolvieren kann: spielverlagerung.de

Leider geil!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s