Die Analogien des Schachspiels

Als Felix Magath vor mehr als zehn Jahren unser Trainer bei Werder war, hat er uns in einer Mannschaftssitzung sehr anschaulich von den Analogien zwischen Fußball und Schach berichtet. Ich glaube mich zu erinnern, dass er davon berichtete, dass er Schach in einer Zeit erlernt hatte, als er im Fußball wegen einer Verletzung länger pausieren musste.

Wichtig waren für ihn im Schach wie im Fußball die drei Kategorien Raum, Zeit und Kraft.

Tatsächlich sind das Schachspiel und das Fußballspiel zunächst räumlich begrenzt auf den jeweiligen Spielfeldern, also den 64 Schachfeldern des Schachbretts einerseits und dem Fußballfeld andererseits. In diesen Grenzen müssen sich die Figuren des Schachspiels und die Spieler des Fußballspiels bewegen. „Alles außerhalb ist Kokolores!“, könnte Otto Rehhagel ergänzen.

Der Faktor Zeit bedeutete für Magath vor allem, dass es darauf ankomme, in beiden Spielen einen Tempovorsprung gegenüber dem Gegner erreichen zu wollen. Das ist wirklich nicht trivial, sondern ein ganz spannender Gedanke.

Im Schach startet Weiß ja bekannterweise mit dem ersten Zug und hat dadurch einen minimalen Tempovorsprung. Wegen dieses Tempovorteils gilt für Schwarz bei ähnlicher Spielstärke der Spieler ein Remis (Unentschieden) als sehr ordentliches Ergebnis und „schwarze Eröffnungen“ heißen deshalb Verteidigungen. Alle Eröffnungsstrategien im Schach haben immer mehr oder weniger mit dem Tempo zu tun: Weiß versucht sich schnell zu entwickeln und seine Figuren in Position zu bringen, Schwarz versucht dabei noch den temporalen Nachteil des Nachziehenden aufzulösen.

Ganz ähnlich im modernen Fußball: Hat man Ballbesitz versucht man schnell zu kombinieren, den Ball laufen zu lassen, durch schnelle Kombinationen, am besten noch durch schnelles vertikales Spiel, zum Abschluss zu kommen. Dass heutzutage die (Ball-Kontakt-) Zeit gemessen wird, die angibt, wie lange sich Spieler am Ball „aufhalten“, ist ein Zeichen für die wichtige Rolle des Tempos im Fußball. Ballmitnahme, Passpiel, Dribbling – immer deutlicher müssen Fußballer in der Lage sein, alle Anforderungen des Spiels in höchstem Tempo zu bewältigen, ansonsten wird das heute ebenso praktizierte Spiel gegen den Ball des Gegners erfogreich sein.

Und was hilft dem Fußballer bei der Bewältigung dieser Anforderungen? Kraft! Dieser etwas merkwürdig anmutende Begriff, der nicht recht zu passen scheint, bedeutete für Felix Magath die Summe aus Technik, Kondition und taktischen Fähgkeiten (so jedenfalls meine Erinnerung!).

Richtig ist, dass Technik, Kondition und taktisches Verständnis zweifellos hilfreich sind, wenn es für Fußballer darum geht, auf dem Platz (im Raum) schneller (zeitlich effektiver) und erfolgreicher zu sein als der Gegner! Wer den FC Barcelona in den vergangenen Jahren spielen gesehen hat, muss dieser These einfach zustimmen.

Beim besten Willen kann ich mich nicht mehr erinnern, was Magath zum Thema Kraft im Schach als Analogie gesehen hat, aber eigentlich kann es nur um die Fähigkeiten des Schachspielers gehen, der die Figuren auf dem Raum des Schachbretts bewegt, immer auf der Suche nach einem Tempogewinn, der schließlich zum Vorteil und Gewinn der Partie führt. Und deshalb ist Kraft dort wohl zum Beispiel so etwas wie Aufmerksamkeit, Theoriekenntnis oder Erinnerungsvermögen.

Was die Beutung der Intuition für beide Spiele angeht, denke ich, dass das einen eigenen Artikel Wert ist!

Außerdem sei noch angemerkt, dass Felix Magath und ich zwar die Leidenschaft für das Schachspiel teilen, aber gegeneinander gespielt haben wir nie. Andi Herzog fragte FM mal im Trainingslager, ob er denn nicht eine Partie gegen mich spielen wolle. Die Antwort von unserem Trainer war trocken und leicht furchteinflößend, wie wir es von ihm gewohnt waren:

Glaubst du denn, dass es gut für euch wäre, wenn Marco gegen mich gewinnen würde?

Also ein anderes Mal … in jedem Fall beginne ich alle meine Partien mit Weiß mit dem Zug e2-e4, weil das einfach der beste Zug ist!

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