Wahlkampfgekicke

Erschienen im TAGESSPIEGEL am Sonntag der Bundestagswahl von … na welchen Jahres?

Guten Abend allerseits. Nach 90 Minuten steht es immer noch 1-1 unentschieden im Berliner Wahlkampfstadion. Nutzen wir also die Zeit, um ein kurzes Resümee zu ziehen:

Die Gäste aus dem Süden, die diesmal mit Stoiber in der zentralen Mittelfeldposition angetreten waren, hatten von Beginn an mehr Spielanteile, auch wenn dabei zunächst wenig Verwertbares heraussprang.

Das lag vor allem an der relativ sicher agierenden Abwehrreihe der Gastgeber mit dem kompromisslosen Eichel und dem aggressiven Schily. Einzig der Libero Riester entblößte die eine oder andere Unsicherheit, die aber weder von dem forschen  Westerwelle noch dem blass bleibenden Merz ausgenutzt werden konnte.

Das Offensivspiel der Gastgeber blieb über weite Strecken harmlos. Weder Schröder noch Fischer konnten sich entscheidend durchsetzen. Der lebendige Trittin blieb zu oft auf sich allein gestellt. Erwähnenswert  noch, dass die Gastgeber schon vor der Halbzeit auswechselten: Gerster kam für den glücklosen Jagoda im defensiven Mittelfeld.

Nach der Pause zunächst ein ähnliches Bild: Stoiber, unterstützt von Merkel, versuchte immer wieder durch die Mitte zum Abschluss zu kommen, rannte sich aber häufig fest. Möllemann, der heute Rechtsaußen spielte, verzettelte sich mehr und mehr in Dribblings oder lief ins Abseits.

So fiel das Führungstor der Gäste in der 65. Minute aus heiterem Himmel: nach einem krassen Fehler des indisponierten Scharping war die Verteidigung plötzlich völlig entblößt – das gab Stoiber die Möglichkeit, in den Strafraum durchzubrechen.

Das Tor tat dem Spiel gut, denn die Gastgeber mussten nun ihrerseits Angriffsbemühungen initiieren. Trotz der ansehnlichen Kombinationen wollte der Ausgleich aber nicht fallen. Zwangsläufig ergaben sich Konterchancen für die Gäste. Besonders der eingewechselte Späth ließ gelegentlich alte Klasse aufblitzen.

Die entscheidende Wende kam von oben: plötzlich einsetzender sintflutartiger Regen ließ die Abwehr der Schwarz-Gelben ins Schwimmen geraten. Die Gastgeber wurden nun immer stärker und kamen durch den Joker Peter Hartz in der 83.Minute zum Ausgleich. Insgesamt kann das von Taktik geprägte Unentschieden als gerecht angesehen werden, da beide Mannschaften über weite Strecken Kreativität und Spielfreude vermissen ließen.

Wir melden uns in wenigen Augenblicken zur Verlängerung zurück und hoffen, dass die zumindest spannende Partie dann auch noch ein wenig an Klasse gewinnt.

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