Julius Hirsch Preis

Diese Kicker-Kolumne ist im Oktober 2011 erschienen.

julius hirsch

Am morgigen Dienstag könnte die Deutsche Fußballnationalmannschaft einen historischen Erfolg verbuchen. Mit einem Sieg im letzten Qualifikationsspiel gegen Belgien würde der zehnte Sieg im zehnten Spiel erreicht. Eine solch beeindruckende Bilanz wäre einmalig in der Deutschen Fußball-Geschichte.

Um Historisches wird es auch am Nachmittag vor dem Spiel gegen Belgien gehen, denn zum siebten Mal wird der DFB den „Julius Hirsch Preis“ verleihen. Ich werde dabei die Ehre haben, die Laudatio für den diesjährigen Hauptpreisträger zu halten.

Julius Hirsch war Anfang des 20. Jahrhunderts neben Gottfried Fuchs einer von zwei jüdischen Fußballnationalspielern. Beide spielten auch gemeinsam im Karlsruher FV, dem Deutschen Meister von 1910. Doch während Fuchs vor den Nazis nach Kanada fliehen konnte, wurde Hirsch in Deutschland  immer stärker ausgegrenzt und schließlich 1943 von Karlsruhe nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Neben den Erwähnten ist auch der Name Walter Bensemann interessant. Dieser war nicht nur maßgeblich an der Gründung mehrerer Fußballclubs und des DFB beteiligt, sondern erfand auch das Fußballmagazin KICKER und war sein erster Chefredakteur.

Die Bedeutung jüdischer Spieler, Trainer und Funktionäre im Deutschen Fußball war viele Jahre lang wenig bekannt. Das lag auch daran, dass DFB und Vereine lange Zeit nicht den Mut hatten, sich mit ihrer Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus selbstkritisch auseinanderzusetzen. In den letzten Jahren wird nun Gott sei Dank offener damit umgegangen und der „Julius Hirsch Preis“ ist ein sichtbares Zeichen dafür.

Geehrt werden dabei übrigens Projekte, die sich im Fußball oder durch Fußball gegen Rassismus und Antisemitismus wenden und sich für Toleranz und Menschenwürde einsetzen. „Aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen“, das ist die sehr lobenswerte Philosophie des Preises.

Bei der Vorbereitung meiner Laudatio habe ich auch gelernt, dass dem erwähnten Gottfried Fuchs etwas Einmaliges gelungen ist: bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm schoss er im Länderspiel gegen Russland 10 Tore in einem einzigen Spiel. Davon können selbst unsere so groß aufspielenden aktuellen Stürmer nur träumen!

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