Die Psychologie des Auftaktspiels

Von Zeit zu Zeit schreibe ich für das Kicker Magazin eine Kolumne. In der Themenwahl bin ich recht frei, aber natürlich ist aktueller Bezug immer gewünscht. Hier beispielhaft die aktuellste Ausgabe zur EM (leider ging der zweite Besenstrich daneben und Italien fegte stattdessen unser Team aus dem Turnier. Aber ihr wisst ja: „So ist Fußball, manchmal gewinnt der Bessere!“):

Dem KICKER Sonderheft zur Euro 2012 liegt eine DVD bei, die zurückblickt auf die sehr erfolgreiche Geschichte Deutscher Mannschaften bei Europameisterschaften. Für mich persönlich bedeutet das natürlich vor allem die Erinnerung an 1996: Golden Goal, Gareth Southgate (der den Elfmeter im Halbfinale verschoss, kurz bevor ich zum Punkt hätte gehen müssen), Mottram Hall (unser Quartier bei Manchester) und der Pokal von der Queen, die gerade ihr 60. Thronjubiläum feierte. Diese Begriffe stehen für Bilder aus 1996 und eine EM, bei der ich lange zuschaute und dann am Ende aber doch noch in Halbfinale und Finale auf dem Platz stand (auch, um Oliver Bierhoff zu sagen, wie rum er sich drehen sollte!).

Sechzehn Jahre später heißt das Quartier nicht ganz so eingängig Dwor Oliwski, Oliver Bierhoff ist Teammanager und unser „Skatbruder“ von 1996, Wolfgang Niersbach, hätte als amtierender DFB-Präsident wohl auch keine Zeit mehr, Skat zu spielen, selbst wenn die heutige Spielergeneration noch Skat spielen würde!

Vieles hat sich geändert in 16 Jahren, aber vieles bleibt auch zeitlos gültig: der glückliche Auftaktsieg gegen Portugal wird für gute Stimmung und Selbstbewusstsein sorgen bei der deutschen Mannschaft, genau so wie 1996 nach unserem Sieg gegen Tschechien. Mannschaften müssen sich finden bei großen Turnieren und neben der Qualität des Kaders, der Fitness und Form der einzelnen Spieler bleibt der Teamgeist, die Atmosphäre, bei einem Turnier die zentrale Voraussetzung für den großen Erfolg.

„Von Spiel zu Spiel zum großen Ziel“, das etwas bescheiden anmutende Motto des DFB-Teams zeugt auch von dem Wissen, dass man bei aller Vision auch an den immer nächsten Schritt denken muss. In einem meiner liebsten Kinderbücher, in Michael Endes „Momo“ sagt Beppo Straßenkehrer: „Niemals an die ganze Straße auf einmal denken, immer nur an den nächsten Besenstrich und immer wieder den nächsten – dann ist es leicht!“

Der erste Besenstrich ist glücklich gelungen und mit dem nächsten könnte man sich eventuell eines großen Konkurrenten um den Titel entledigen. Das wiederum wäre eine echte Parallele zu 1996, als Italien in unserer Gruppe den Kürzeren zog, obwohl sie zugegebenermaßen gegen uns das bessere Team waren.

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