The Football Club Social Alliance

Dieser Artikel ist erscheint am 6. August 2012 als meine Kolumne im Kicker Sportmagazin.

Solange die Bundesliga noch in den Startblöcken für die historische Jubiläumssaison steckt, hat man Zeit, sich mal mit zeitloseren Themen des Fußballs zu beschäftigen.

Immer mehr Fußballclubs engagieren sich im sozialen Bereich und sprechen auch darüber. Mein Club Werder Bremen ist in diesem Feld sicher ein Vorreiter. In diesem Jahr wurde das vielfältige Engagement in eine übersichtliche Struktur unter den Claim „Werder bewegt – lebenslang“ gestellt.

Besonders spannend ist dabei ein Projekt, mit dem ich auch persönlich in den vergangenen Monaten immer wieder zu tun hatte: The Football Club Social Alliance.

Angestoßen durch die Initiative von Gigi Oeri, der früheren Präsidentin des FC Basel, haben sich bislang fünf Fußballclubs aus verschiedenen europäischen Ländern zusammengeschlossen, darunter neben dem FC Basel und Werder Bremen auch Bayer Leverkusen, Austria Wien und Hapoel Tel Aviv.

„Together we inspire“ ist der Claim der Alliance und will ausdrücken, dass hier Vereine, sonst Konkurrenten auf dem Platz, gemeinsam die verbindende Kraft und die Werte des Fußballs nutzen wollen, um jungen Menschen in Krisengebieten der Welt zu helfen.

Seit 2007 gab es Projekte zum Beispiel im Sudan, in Sri Lanka, Palästina oder zuletzt in Uganda. Dabei werden sogenannte „Young Coaches“, junge Erwachsene aus den Projektländern, im Bereich Fußballtraining und Organisation ausgebildet. Diese Coaches werden dann zu echten Multiplikatoren und Vorbildern, über die man Tausende Kinder und Jugendliche erreicht und sie außer im Fußball auch über Themen wie Gesundheit, Bildung, HIV-Prävention, oder Friedensarbeit informiert.

Ich weiß, dass es die mittelfristige Zielsetzung der Alliance ist, noch weitere Clubs zu gewinnen und sich dabei auch noch internationaler aufzustellen: Englische Clubs aus der Premier League sowie Vereine aus den Niederlanden zeigen im Moment großen Interesse. Außerdem sollen in Zukunft auch europäisch oder global aktive Unternehmen die Alliance in ihrer Arbeit unterstützen. Damit  könnten Spielräume erweitert aber auch die Aufmerksamkeit in der Gesellschaft für diese Idee gesteigert werden. Verdient hat sie es!

Fußball – ein einfaches Spiel?

 

Eine Kolumne (lat. Säule!) ist eine journalistische Kleinform. In einer einzigen Spalte muss es dem Autor gelingen, seine Meinung pointiert zum Ausdruck zu bringen. Das ist selbst beim Thema Fußball (denn um den geht es hier in dieser Kolumne!) nicht ganz einfach,  denn der moderne Fußball ist komplex, manchmal gar kompliziert. Es kommt auf viele Kleinigkeiten an und alles hängt irgendwie zusammen: „Wenn ich mir am Hintern ein Haar ausreiße, tränt mir das Auge!“, sagte schon die Trainerlegende Dettmar Cramer.

Und der Fußball wird heutzutage nicht mehr nur sportlich wahrgenommen, sondern je nach Betrachter nähert man sich dem Spiel psychologisch, ökonomisch, pädagogisch, medizinisch oder manchmal  auch politisch.

Wie auch immer, für einen Kolumnisten ein Schlaraffenland an Themen!

Andererseits liegt ein Großteil der Faszination des global erfolgreichsten Sports aller Zeiten in seiner Einfachheit. Jedes Kind versteht die Regeln in Minuten  und die historisch bedeutsamsten Sätze zum Fußball beziehen sich auf eben diese Einfachheit, sei es, dass ein Spiel 90 Minuten dauert, der Ball ins Tor muss oder derselbe rund ist.

Daran hat sich seit mehr als 100 Jahren nichts geändert – und das ist auch gut so.

Denn trotz modernster Stadien, trotz Konzeptfußballs à la Jogi Löw, trotz Public Viewing und der Dominanz der Business-Loge  bleibt der Fußballfan im Herzen eher Traditionalist: nur was ich wirklich kenne, kann ich lieben. Etwas, das sich ständig ändert, entgleitet mir.

Nur seine Einfachheit und die konservative Haltung zu seinen Wurzeln ermöglichen, dass wir immer wieder neu, bei jedem Spiel unseres Teams gespannt sind, wie es wohl ausgeht und nachher immer wieder leidenschaftlich diskutieren, warum es ausging wie es ausging.

Wahre Fußballfans sind subjektiv immer auch Fußballexperten! Und seien es nur solche, die hinterher genau erklären können, warum ihre Prognose falsch war!

Doch was nun? Ist das nicht alles ein wenig paradox? Ist der Fußball nun einfach oder komplex – oder beides?

„Jede Seite hat zwei Medaillen!“, sagte Mario Basler einmal!

Vorlage Fußball

 

Es ist eine zentrale Idee dieses Blogs, vom Fußball zu lernen, von seinen Werten, von seinen Erfolgsfaktoren und zudem die Sprache des Fußballs zu verwenden, um Gedanken aus anderen Lebensbereichen zu veranschaulichen.

Angewendet auf die Businesswelt habe ich gemeinsam mit Business-Trainer Thomas Stammwitz (E>V) ein Vortrags- und Workshoptool entwickelt, mit dem wir erklären, was man im Business vom Fußball lernen kann.

Wie wird man zum „Winning Team“?

Was führt (meistens) zum Erfolg?

Warum brauche ich eine Vision?

Solche und viele weitere Fragen untersuchen wir an Beispielen im Fußball und Business. Dabei behaupten wir nicht, das Geheimnis für Erfolg gefunden zu haben, sondern eher beschreiben wir Konzepte und Ideen, die Erfolg im Fußball und im Business wahrscheinlicher machen.

Unser Spielfeld, auf dem wir uns bewegen sind 11 Erfolgsfaktoren, die in beiden Bereichen relevant sind. Und immer wieder verwenden wir sprachliche Analogien aus dem Fußball, um die Faktoren genauer zu erläutern!

Ziele

Teamgeist

Nie aufgeben

Einstellung

Führung

Spielfreude

Leidenschaft

Mut, Risiko

Flexibilität

Individuelle Fähigkeiten

Unser Vortrag dauert normalerweise 90 Minuten, allerdings machen wir daraus auch manchmal einen Tagesworkshop, zum Beispiel am Freitag in der Sportschule Barsinghausen für den Triebwerkshersteller MTU.

Wahlkampfgekicke

Erschienen im TAGESSPIEGEL am Sonntag der Bundestagswahl von … na welchen Jahres?

Guten Abend allerseits. Nach 90 Minuten steht es immer noch 1-1 unentschieden im Berliner Wahlkampfstadion. Nutzen wir also die Zeit, um ein kurzes Resümee zu ziehen:

Die Gäste aus dem Süden, die diesmal mit Stoiber in der zentralen Mittelfeldposition angetreten waren, hatten von Beginn an mehr Spielanteile, auch wenn dabei zunächst wenig Verwertbares heraussprang.

Das lag vor allem an der relativ sicher agierenden Abwehrreihe der Gastgeber mit dem kompromisslosen Eichel und dem aggressiven Schily. Einzig der Libero Riester entblößte die eine oder andere Unsicherheit, die aber weder von dem forschen  Westerwelle noch dem blass bleibenden Merz ausgenutzt werden konnte.

Das Offensivspiel der Gastgeber blieb über weite Strecken harmlos. Weder Schröder noch Fischer konnten sich entscheidend durchsetzen. Der lebendige Trittin blieb zu oft auf sich allein gestellt. Erwähnenswert  noch, dass die Gastgeber schon vor der Halbzeit auswechselten: Gerster kam für den glücklosen Jagoda im defensiven Mittelfeld.

Nach der Pause zunächst ein ähnliches Bild: Stoiber, unterstützt von Merkel, versuchte immer wieder durch die Mitte zum Abschluss zu kommen, rannte sich aber häufig fest. Möllemann, der heute Rechtsaußen spielte, verzettelte sich mehr und mehr in Dribblings oder lief ins Abseits.

So fiel das Führungstor der Gäste in der 65. Minute aus heiterem Himmel: nach einem krassen Fehler des indisponierten Scharping war die Verteidigung plötzlich völlig entblößt – das gab Stoiber die Möglichkeit, in den Strafraum durchzubrechen.

Das Tor tat dem Spiel gut, denn die Gastgeber mussten nun ihrerseits Angriffsbemühungen initiieren. Trotz der ansehnlichen Kombinationen wollte der Ausgleich aber nicht fallen. Zwangsläufig ergaben sich Konterchancen für die Gäste. Besonders der eingewechselte Späth ließ gelegentlich alte Klasse aufblitzen.

Die entscheidende Wende kam von oben: plötzlich einsetzender sintflutartiger Regen ließ die Abwehr der Schwarz-Gelben ins Schwimmen geraten. Die Gastgeber wurden nun immer stärker und kamen durch den Joker Peter Hartz in der 83.Minute zum Ausgleich. Insgesamt kann das von Taktik geprägte Unentschieden als gerecht angesehen werden, da beide Mannschaften über weite Strecken Kreativität und Spielfreude vermissen ließen.

Wir melden uns in wenigen Augenblicken zur Verlängerung zurück und hoffen, dass die zumindest spannende Partie dann auch noch ein wenig an Klasse gewinnt.

Der Fluss

Vier Fußballer (Gerd, Uwe, Franz und Günter) wollen mit Hilfe eines kleinen Bootes einen Fluss überqueren. In das Boot passen allerdings maximal zwei Personen gleichzeitig. Zudem brauchen die vier unterschiedlich lange für eine Überfahrt:

Gerd:          5 Minuten

Uwe:         10 Minuten

Franz:       20 Minuten

Günter:     25 Minuten

Fahren zwei Kicker zusammen im Boot, brauchen sie jeweils so lange wie der langsamere von beiden, zum Beispiel brauchen Gerd und Franz zusammen 20 Minuten. Natürlich kann das Boot niemals ohne Fußballer über den Fluss fahren. Nach einer Überfahrt zu zweit muss also einer das Boot wieder zurückfahren.

Wie gelingt es den schlauen Fußballern innerhalb von 60 Minuten auf die andere Seite des Flusses zu gelangen?

Das erste Buch

Kinder schreiben und malen für Kinder, das ist die Grundidee unseres Vereins Das erste Buch e.V., den wir vor mehr ungefähr zehn Jahren gegründet haben. Wir sind eine Gruppe von acht Bremern, eigentlich sehr heterogen, weil jeder einen ganz eigenen Hintergrund hat – aber homogen, weil es acht Männer sind.

In Bremen fing alles an, aber inzwischen gibt es jedes Jahr ein eigenes Erstes Buch auch in Bremerhaven, Oldenburg, in Essen, Osnabrück, Gütersloh und im Landkreis Leer. Kinder der dritten Klasse schreiben Geschichten zu einem Buchstaben des Alphabets und malen Bilder zu ihren Geschichten. Dann  wählen wir die schönsten Geschichten aus, machen daraus ein Buch und verschenken dieses Buch an alle Erstklässler der jeweiligen Stadt.

Jedes Kind, das eingeschult wird, bekommt also ein Buch geschenkt, wenn man so will, von den Autoren, ihren Paten, die dann schon zu den „alten Hasen“ in der vierten Klasse gehören!

In den vergangenen zehn Jahren haben wir so über 200.000 Bücher verschenkt und hoffentlich das Lesen, Vorlesen, Schreiben und Malen gefördert, aber vor allem viel Freude verbreitet. Finanziert wurde alles ohne öffentliche Mittel nur durch Spenden und Sponsoring.

Hier habe ich als Beispiel mal eine Geschichte aus Oldenburg aus dem vergangenen Jahr ausgewählt, geschrieben von Laurens:

Die lebendige Haltestelle

Ein Mann ging an einem Montagmorgen zur Arbeit, da hörte er in einer Seitenstraße eine Stimme. „Was mag das wohl sein?“, fragte ers ich. Er sah in die Seitenstraße, und jetzt sah er den Grund. da heulte eine Bushaltestelle.

Der Mann fragte die Haltestelle: „Warum heulst du?“. Die Bushaltestelle sagte: „Ich soll abgerissen werden (schluchz).“ „Aber wenn du reden kannst, kannst du bestimmt auch laufen und klettern, oder?“, fragte der Mann. Er hieß übrigens Herr Eilers. Er sagte zur Haltestelle: „Hau doch ab!“

Plötzlich fuhr die Haltestelle Arme, Beine, besser gesagt Rollen, eine Nase und Augen aus und rief: „Setz dich hin!“. Herr Eilers setzte sich in die Bushaltestelle, und schon rollte sie los. Sie hieß übrigens Dennis.

Da kam das Abrissteam. Die verständigten die Polizei. Dennis brachte Herrn Eilers zur Arbeit und kletterte auf einen Wolkenkratzer. Die Polizei gab auf.

Für das Jahr 2012 sind auch schon alle Geschichten geschrieben und alle Bilder gemalt. In den kommenden Monaten werden nun alle Bücher produziert, und in der Vorweihnachtszeit an die neuen „Ersten“ verschenkt!